Fragen und Antworten

Wie kamst du auf die Idee zu „Im Schatten der Welle“?

Es war eher so, dass die Idee zu mir kam… Als ich anfing zu schreiben, wusste ich noch nicht, dass ein Roman daraus wird. Es begann mit einer Schreibübung bei einem Kurs für Kreatives Schreiben, bei der Herlina entstand, die mich dann nicht mehr losließ und unbedingt von mir geschrieben werden wollte. Nach einer Weile bemerkte ich, dass ich allein nicht mehr weiterkomme und machte eine Autorenausbildung. Dabei entwickelte ich die Struktur und schuf den Rahmen für den Roman.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Anfangs schrieb ich nur ab und zu an den Wochenenden, da ich beruflich stark eingebunden war. Dann hatte ich das Glück, mich dem Projekt stärker widmen zu können, als ich mit meinem Mann nach Nepal ging und dort wieder tiefer in die NGO-Welt eintauchte. So habe ich in Nepal meinen Roman aus Indonesien beendet und auch gleich einen neuen begonnen, der in Nepal spielt.

Wann hast du gewusst, wie der Roman ausgeht?

Ich hatte recht früh Anfang und Ende der Geschichte im Kopf, nur wie ich von A nach B komme, war mir nicht sofort klar.

Welchen Bezug hast du zu Indonesien?

Ich habe in Indonesien in einem Wiederaufbauprojekt nach dem Tsunami und Erdbeben gearbeitet. In der Zeit gewann ich einen intensiven Einblick in das Leben der Indonesier und viele Freund:innen von dort. Dies und weitere Aufenthalte im Land haben mich inspiriert. Ich habe bis heute sehr enge, familiäre Beziehungen zu Land und Leuten.

Hast du den Tsunami selbst erlebt?

Ich sprach mit vielen Menschen, die den Tsunami überlebt haben, insbesondere die Schilderungen der Leute in Banda Aceh, das am stärksten getroffen wurde, beeindruckten mich tief. So entstand die Idee, den Betroffenen aus Indonesien eine Stimme zu geben. Einige Freundinnen waren direkt nach der Katastrophe in der Nothilfe vor Ort, ihre Schilderungen flossen ebenfalls in den Roman mit ein.

Die Hauptperson ist eine Deutsch-Indonesierin. Wie kamst du darauf?

Herlina ist zu allererst eine fiktive Person, aber auch eine Mischung aus Freundinnen von mir und deren Töchter. Manches, was Herlina erlebt, habe ich bei ihnen beobachtet, anderes selbst erlebt oder erfunden.

Wie kamst du auf das Trinkwasserproblem?

In Indonesien gab es meist nur das Trinkwasser aus Plastikflaschen eines großen Lebensmittelkonzerns, das Wasser aus der Leitung – sofern es überhaupt Leitungen gab – war nicht trinkbar. Mit der Problematik beschäftige ich mich schon länger und irgendwann fing ich an, tiefer in das Thema einzusteigen. Was Herlina auf der Insel entdeckt, ist anderswo gut dokumentierte Realität.

Du prangerst die Korruption in Indonesien an, was hat es damit auf sich?

Die gibt es ja nicht nur in armen Ländern, auch in Deutschland gibt es Korruption, sie findet nur auf einer anderen Ebene statt. Ich habe in vielen Ländern erlebt, wie die Menschen gar nicht anders konnten, als das Spiel mitzuspielen, weil es entweder von ihrer Familie erwartet wurde, oder sie keine anderen Möglichkeiten sahen, voran zu kommen, oder überhaupt eine Dienstleistung, einen Arztbesuch, oder ein Dokument bei Behörden… Korruption taucht überall dort auf, wo Menschen ungestört ihre Macht über andere ausleben können und dies zum eigenen Vorteil nutzen.

Warum Self-Publishing? Hast du keinen Verlag gefunden?

Durch gewisse Lebensumstände habe ich das Projekt eine Weile liegen lassen. Als ich es dann veröffentlichungsreif machte, war es zu spät für einen Verlag, denn ich wollte den Roman unbedingt zum Jahrestag des Tsunami am 26. Dezember 2019 herausbringen.

Letztlich passt es auch zu mir, denn dadurch behalte ich die volle Kontrolle. Deshalb freut es mich umso mehr, wenn die Leser:innen „Im Schatten der Welle“ weiterempfehlen, und mich dabei unterstützen, den Roman in die Welt zu tragen. Ich war völlig aus dem Häuschen, als ich meinen Roman auf der Bestsellerliste des Verlags entdeckte.

Warum nennst du dich Frau Andie?

Meine Kolleg:innen in Indonesien nannten mich Miss Andie, das hat sich dann verfestigt, da einige Menschen mich anhand meines Vornamens für einen Mann hielten und ich dann irgendwann begonnen habe, das „Frau“ voranzustellen, um Missverständnissen vorzubeugen.

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