Anfängerfehler

Ich buche eine Buchhandelspräsenz in dem naiven Glauben, dass mein Buch dann dort ins Sortiment aufgenommen wird. Beschwingt gehe ich den ersten Buchladen und will dort meine Postkarten und Plakate verteilen. Hatte mir vorgestellt, dass die dann gleich dort ausgelegt werden, das Poster aufgehängt und im besten Fall gleich ein Termin für die Lesung vereinbart. Extra Platz gelassen auf dem Plakat, damit man den Termin eintragen kann.

Doch ich merke gleich: die Freude ist verhalten.

Der wirklich sehr freundliche junge Mann nimmt mich zur Seite, klärt mich darüber auf, dass sie selbst entscheiden, wen sie in das Sortiment aufnehmen, und er nichts bestellt habe. Oh! Ich fühle mich getäuscht und düpiert.

Energisch trete ich in die Pedale und radle nach Hause. Ich lese die E-Mail des Verlags noch einmal gründlich durch und stelle fest, dass ich nicht getäuscht wurde, sondern dass ich mich getäuscht habe. Man liest eben nur, was man lesen will. Vereinbart wurde nur, dass der Verlag das Buch an die Buchläden schickt. Ganz klar formuliert.

Nicht aufgeben

Vorsichtshalber nehme ich den Rat des Herrn an und platze nicht mit meinen Postkarten und Plakaten in die anderen Buchläden meiner Wahl, sondern rufe vorher dort an. Dabei erfahre ich, dass die nächste Buchhandlung meinen Roman gleich aussortiert hat (falsche Zielgruppe, Anfängerfehler!), die freundliche Mitarbeiterin mein Buch aber gerettet und gerade eingepackt hat, um es ihrer Tochter zu geben (ich schenke es ihr sofort). Die nächste Ansprechpartnerin reagiert eher verhalten auf mein Angebot, vorbeizukommen, sie hätte das Buch ja nun, aber sie wolle es sich immerhin anschauen. Bei der Vierten werde ich mit Verweis auf das drohende Weihnachtsgeschäft abgewimmelt (eigentlich war dies mein Ziel gewesen: im Weihnachtsgeschäft zu reüssieren) aber wenn jemand komme, sei das Buch ja da, und die letzte auf der Liste hält es gerade in der Hand und wollte es sich anschauen. Ausgang offen.

Fazit: eleganter wäre es gewesen, vorher direkt Kontakt aufzunehmen, um mich und mein Buch vorzustellen und zu fragen, ob Interesse besteht, statt mit der Holzhammermethode den Leuten mein Buch um die Ohren zu hauen. Okay. Lektion verstanden. Ich halte mich an mein Motto „Never give up no matter what”, bleibe ganz ruhig und verbuche die Ausgaben unter Lehrgeld.

Neuer Versuch

In der nächsten Woche habe ich einen Termin bei einer Buchhändlerin, der Kontakt wurde vermittelt. Ich gehe mit den oben genannten Erfahrungen ganz vorsichtig in das Gespräch. Die Buchhändlerin empfängt mich überaus freundlich, in mir keimt Hoffnung. Wir plaudern, ich bleibe zurückhaltend. Irgendwann sagt sie: „Es ist schon klar, dass wir dein Buch nehmen, oder?“ – Mein Herz hüpft. Wieder kommt es ganz anders als gedacht. Wir besprechen kurz die Details, dann stellt sie mein Buch ins Schaufenster! Auf Augenhöhe mit Jane Birkin und Deniz Yücel! Mein Herz zerspringt fast. Und wieder beweist sich: es IST möglich, Schmerz in Jubel zu verwandeln!

Buchhandlung_MontagDanke, liebe Buchhandlung Montag!

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